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Reisefreiheit und kalter Krieg

Heute versteht unsere junge Generation nicht mehr, warum die DDR die Reisefreiheit ihrer Bürger beschnitt. Es ist doch ein Grundrecht jedes Bürgers, dahin zu reisen wo er möchte. Doch auch die Bundesrepublik Deutschland, die BRD, verhängte zeitweise über seine Bürger eine Reiseverbot in die damalige DDR.

In Ostberlin fanden im Jahre 1951 die Dritten Weltfestspiele statt. Die Weltfestspiele der Jugend und Studenten sind regelmäßig veranstaltete internationale Jugendtreffen, die 1947 vom Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) ins Leben gerufen wurden. Die DDR nutzte die Weltfestspiele als Gelegenheit, sich internationales Ansehen zu verschaffen. Die Festivalhymne „Im August blüh‘n die Rosen“ ging in das Liedgut der DDR ein und wurde auch in Westdeutschland ein erfolgreicher Schlager. Schirmherr des Events in der DDR war die Freie Deutsche Jugend, die FDJ. In der BRD wurde jedoch die FDJ als verfassungsfeindlich eingestuft und verboten. Als der Bremer Pastor Johannes Oberhof die Organisation der Teilnahme von Jugendlichen aus der BRD bei den Weltfestspielen in Ostberlin übernahm, wurden BRD Bürger an der Grenze zur DDR teilweise an der Ausreise gehindert. Bis zum 28. Juli 1951 wurden über 6000 BRD Jugendliche von der Grenze zwangsweise zurück in ihre Wohnorte in die BRD gebracht. Mit Strafen wurden Transport- und Reiseunternehmen belegt, die BRD Bürger zu den Weltfestspielen in die DDR fuhren. Um die Reisefreiheit der BRD Bürger in Richtung DDR zu beschneiden, kamen allein in Niedersachsen 10.000 Polizeibeamte zum Einsatz. Das große Aufgebot der BRD konnte jedoch nicht verhindern, dass mehr als 35.000 junge Menschen aus der BRD und aus West-Berlin an den Weltfestspielen in Ostberlin teilnahmen. Aber auch Personen aus England, der USA, Frankreich, der Schweiz und vielen anderen Ländern wurden im amerikanischen Sektor daran gehindert die Weltfestspiele in Ostberlin zu besuchen (Quelle: www.weltfestspiele.de).

Der kalte Krieg vor über 20 Jahren nahm auf beiden Seiten oft obskure Züge an. Der Westen und der Osten standen sich ideologisch gegenüber. Der kapitalistische Westen, angeführt von den USA, der Osten, angeführt von der Sowjetunion und den sozialistischen Bruderstaaten. Jeder Block rüstete sich mit Atomwaffen auf. Jeder Block war bereit, seine Ideale mit Atomwaffen zu Untermauern. Der kapitalistische Westen seine auf Gewinnmaximierung basierende Wirtschaftspolitik, der Osten sein Weltbild von "Alle Menschen sind gleich". Und in diesem "kalten Krieg der Systeme" wurden auf beiden Seiten Menschenrechte beschnitten. Meinungsfreiheit gab es in Ost und West nur solange, wie die Meinung nicht dem jeweiligem System in die Quere kam. Und selbst die Reisefreiheit wurde in Ost und West so ausgelegt wie es dem jeweiligen System passte. Die DDR musste natürlich mehr als der Westen aufpassen, dass die gut ausgebildeten Fachleute in den Westen abhauten weil sie dort für ihre Arbeitskraft mehr Kaffee oder besseres Autos kaufen konnten. Es gab den Spruch: "Die Köpfe gehen in den Westen, die Ärsche bleiben im Osten.". So war es auch. Jeder Bauer und Arbeiter genoss in der DDR eine vorbildliche Ausbildung und wurde zum Ingenieur. Viele davon nahmen ihre Ausbildung und suchten im "goldenen Westen" den Garten Eden. Die DDR musste die Abwanderung von hochqualifizierten Bürgern verhindern um ein Ausbluten der Wirtschaft zu verhindern. Rentner durften in den Westen reißen, bei Anderen gab es Sonderregelungen. Die Beschneidung der Reisefreiheit hatte eine logische Erklärung. Und ebenso hatte das Verbot zur Ausreise von BRD Bürgern in die DDR 1951 eine Erklärung. Die BRD, welche die DDR damals nicht anerkannte, wollte der DDR keine Anerkennung zollen, indem BRD Bürger an diesem Event in der DDR teilnahmen. Das ist nun alles Geschichte. Geschichte ist aber nicht die Aufarbeitung der Geschichte. Wer heute die DDR verteufelt, sollte erwähnen, dass auch die BRD so einige Leichen im Keller hatte. Die BRD war nicht der "Saubermann". Die BRD war ein Kalkül im kalten Krieg der Supermächte.





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