Forenbeiträge
Allgemeines
Malediven - Paradies mit Wolken
Man hört ja so oft davon, wie schlecht die damalige DDR war, eine reine Diktatur, ein Unrechtsstaat. Die armen Bürger der DDR sahen sich gnadenlosen Schikanen ausgesetzt. Untragbar dieser Gedanke für Bürger aus der damaligen BRD, die den Freiheitsgedanken inklusive Verfassung in der Nuckelflasche aufgesogen haben. War das nur Propaganda im kalten Krieg, oder ist der Deutsche wirklich ein bewusster Friedenskämpfer und Kritiker?
Heute brannte ich die Urlaubsfotos meines Schwiegervaters auf DVD. Der Malediven Urlaub 2010. Jemand fragte mich ob da auch Bilder aus der Hauptstadt dabei sind. Ich kannte die Hauptstadt nicht und klinkte mich in die Wikipedia ein. Und was ich da las, erschütterte mich leicht. Die Malediven sind eine Diktatur. Ein schönes Urlaubsziel, gewinnträchtig für deutsche Reiseunternehmer und die einheimische Touristikbranche. Aber - auf den Malediven gilt eine eingeschränkte Rede- und Pressefreiheit. Jede andere Religion außer dem Islam ist verboten. Weder Christen noch Hindis dürfen auf den Malediven ihrer Religion frönen. Demonstranten landen im Gefängnis und Todesfälle bei der Opposition sind keine Seltenheit.
Es gibt auch positive Aspekte, die international die Malediven in ein relativ positives Licht rücken. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 99 Prozent. Auf jeder kleinen Insel gibt es Schulen, in denen die Kinder ab dem Alter von sechs Jahren Englisch und Dhivehi lesen und schreiben lernen, aber auch das arabische Alphabet, um den Koran rezitieren zu können. Die einzigen Schulen, in denen man die Hochschulreife erlangen kann, befinden sich in Malé. Zunehmend orientiert sich das Bildungssystem an der arabischen Welt, Hauptfach ist Islam.
In der Politik wurde eine Liberalisierung jedoch erst ab dem Jahr 2005 zur Schau gestellt, zugestanden. Ein Jahr zuvor, August 2004 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Hunderte Menschen sind nach Demonstrationen gegen das Regime des Präsidenten Gayoom in Gefängnissen verschwunden. Die Opposition floh in das Ausland. Unter den Gefangenen befand sind auch ein früherer Minister und ein Generalstaatsanwalt, was von der Regierung der Malediven auch bestätigt wurde.
Ein Jahr zuvor, Juli 2003, veröffentlichte Amnesty International einen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen des Regimes von Präsident Gayoom, in dem dieses beschuldigt wird, Folter anzuwenden. Häftlinge würden geschlagen und getreten, sie müssten stundenlang in Handschellen gefesselt in der Sonne ausharren. Vor Gericht würden ihnen Anwälte verwehrt. Die jüngste Vergangenheit der Malediven zeigt einen sehr instabilen poltischen Zustand auf. So richtig passt dieses Bild nicht mit dem sonnigen Paradies zusammen.
Meinungsfreiheit gibt es auf den Malediven heute, trotz einer zur Schau gestellten Liberalisierung, aber dennoch nicht. Der Umstand, dass alle Religionen, außer dem Islam, verboten sind, gibt zu denken übrig. Selbst in der ehemaligen DDR wurde jede Religion geduldet. In Deutschland diskutiert man darüber, ob an jeder Ecke eine Moschee stehen sollte und dürfte. Leute mit der Meinung "Mann sollte die Kirche im Dorf lassen und die Moschee in Instanbul", werden in die rechte Ecke gedrängt. Aber wieso darf sich ein Land wie die Malediven, es sich heraus nehmen andere Religionen, außer dem Islam, zu verbieten? Der Islam möchte in Deutschland Religionsfreiheit, in seinen urstämmigen Ländern verbietet er aber unsere christliche Religion. In Ägypten schaut es nicht anders aus. Unsere Religion wird abgelehnt, aber unser Geld gern genommen. Ist das noch Koscher? Ehrlich? Welcher Maßstab gilt im Islam? Die Malediven dürfen die christliche Religion in ihrem Land verbieten, in Deutschland fordern sie jedoch eine Religionsfreiheit? Gut, im privaten Bereich darf jeder Christ auf den Malediven seine Bibel lesen, aber öffentlich darf er nicht dazu stehen. Christliche Mission ist strengstens untersagt. 1998 verwies man alle ausländischen Christen, die unter Verdacht standen, Missionare zu sein, des Landes, 50 einheimische Christen sollen inhaftiert und teils gefoltert worden sein. So etwas gab es in der ehemaligen DDR nicht. Oppositionelle wurden sicher vom "Nachrichtendienst" beobachtet und bespitzelt, aber jedes Land setzt heute seine eigene "Stasi" gegen mögliche "Problembürger" ein. In Deutschland genügt es, dass ein Zahnarzt zu einer Demonstration gegen Stuttgart 21 geht und er wird in einer Datei erfasst. Das ist nun nicht das Thema. Sehr aufgebracht hat mich, dass der normale Bundesbürger so wenig über sein Urlaubsland weiß, dass er ohne nachzudenken es bereist und damit unterstützt. Wie kann man denn in ein Land reißen, dass derart die Menschenrechte beschneidet und mit Folter Kritiker tot macht? Ich glaube, meine Schwiegereltern wissen gar nicht, in was für ein Land sie reißen und was oder wem sie damit unterstützen. Sie kommen aus dem "Osten", träumten immer vom Paradies und haben überhaupt keine Ahnung davon, in was für ein Land sie wirklich reisen. Für sie zählt die vorgegaukelte Idylle. Ein paar tausend Euro für 2 Wochen "Garten Eden". Für die Einwohner der Malediven ist der "Garten Eden" jedoch die Hölle.
Zu Zeiten des kalten Krieges war die DDR das Monstrum. Aufgebauscht durch die Medien. Klares Feindbild und jeder BRD Bürger wurde sensibilisiert für das Unrecht im sozialistischem Ostblock. Das diente einem Zweck, einer Ideologie. Eindreschen auf die DDR, aber Urlaub machen in fundamentalistischen Diktaturen, weil man da billig den Strand genießen kann und die Diktaturen gern das Geld der Westler nahmen.
Wie inkonsequent und manipulierbar sind wir denn? Die Medien geben uns das Feindbild vor, wir schimpfen darüber und geben uns konform im Sinne der allg. Stimmung. Nur nicht anecken. Aber privat reisen wir in Bin Ladens Hölle, weil dort das "all-inklusive" Angebot "fressen und saufen" billig kommt. 3.000 Euro für 14 Tage Paradies. Für unsere 3.000 Euro kauft diese Diktatur aber mehr Waffen als Lebensmittel.
Mein Sohn wäre auch gern auf Male, den Malediven. Er ist beeindruckt von den Bildern. Aber lieber fliege ich mit ihm nach Israel oder Ägypten, wo man weiß in was für einem Land man landet. Die Malediven präsentieren sich als Garten Eden für westliche Besucher, unterdrücken aber die Bevölkerung und in den Medien erfährt man kaum etwas über da Leid der Menschen in diesem Land.