Computer & Technik
Grafische Oberflächen
Geschichte der grafischen Benutzer-Oberfläche- Wie alles anfing
Es begann im Palo Alto Research Center, der Denkfabrik von Rank Xerox. Findige Köpfe machten sich dort Gedanken, wie unser aller Zukunft verbessert werden könnte - zunächst ohne eine Bindung an konkrete Aufträge.
Eines dieser Projekte beschäftigte sich mit einer grafischen Benutzeroberfläche für Computer. Xerox versuchte, aus dieser Idee ein Produkt zu fertigen - doch die Zeit war noch nicht reif dafür. Die grafische Oberfläche stellte zu hohe Anforderungen an die Hardware; die 1974 entwickelten Rechner "Alto" waren zu teuer und wurden kaum verkauft. Xerox setzte gerade 2000 Rechner zum Stückpreis von 32000 Dollar ab.
Apple griff einige Jahre später die Idee wieder auf und verwirklichte sie mit der "LISA" - die aber das Schicksal ihres Vorbildes teilte: Sie war zu teuer und fand deshalb nur wenige Liebhaber.
Zu jener Zeit beherrschten zwei Firmen den Markt der Personal Computer: Apple mit seinem Apple II, der in den USA noch heute sehr beliebt ist, in Deutschland aber nie in nennenswerten Stückzahlen verkauft wurde, und IBM mit seinem PC - einem Rechner, der von Kaufleuten nach "konomischen Grundsätzen konzipiert worden war: funktionell, realisierbar, preiswert.
Beide Rechner waren textorientiert, beide waren zum Arbeiten konzipiert und beide setzten voraus, dass sich die Anwender in ihre Bedienung einarbeiteten - was sowohl die Bedienung des Rechners wie auch der Software betraf.
Doch Steven Jobs, zusammen mit Steven Wozniak Gründer von Apple, hatte eine Vision. Er träumte von einem Volkscomputer, für jedermann erschwinglich, von jederman zu bedienen. Intuitiv sollte er sein, etwas für das Gefühl und nicht nur für den Verstand. "LISA" war das Vorbild, doch aus den begangenen Fehlern wurde gelernt. Große Teile der Grafikroutinen kamen ins ROM, so dass Anwendungsprogramme relativ komplexe Routinen aufrufen konnten. Dadurch wurde die Grafikausgabe zum einen sehr schnell und zum anderen benötigten Anwendungsprogramme selbst relativ wenig Speicher. Ein angenehmer Nebeneffekt war, dass dies ausserdem zur Standardisierung der Anwendungssoftware beitrug - bis heute ein grosses Plus der Mac-Welt.
Auf einen Textmodus wurde völlig verzichtet, der Rechner arbeitete ausschließlich im Grafikmodus - was lange Zeit ein großes Handicap bedeutete. Denn auch Apple konnte nur mit Wasser kochen und so waren die ersten Monitore der benötigten Auflösung wegen sehr klein. Und es dauerte fast fünf Jahre, bis Apple beim Mac Farbe bekannte - erst dann konnte auch in Farbe eine zufriedenstellende Bildschirmdarstellung erreicht werden.
Die grafische Oberfläche, deren Design mit Icons, Pull-Down-Menüs, überlappenden Fenstern und Rollbalken sehr ausgefeilt war, war jedoch nur ein Teil einer gesamten Idee - der ganze Computer sollte einfach zu bedienen sein. So besitzen Macs bis heute keinen Schalter an den Diskettenlaufwerken, um die Disketten zu entnehmen - der Auswurf erfolgt nur per Softwarebefehl. Die Integration der Maus war anfangs so vollkommen, dass auf Cursor und Funktionstasten lange verzichtet wurde. Erst der Mac II besann sich wieder auf diese Tasten.
Der Macintosh war für die breite Masse zu teuer
Das Konzept des Macintosh war erfolgreich, aber die Anlaufphase war beachtlich lang. Erst als Mac II fand der Macintosh auf breiter Basis Eingang in die Büros. Allerdings genießt der Macintosh einen zwar sehr guten, aber leider auch einen sehr exklusiven Ruf.
Dreimal wurde die Mac-Oberfläche alleine von ihrem ersten Erscheinen bis Anfang der 90-ziger überarbeitet: Durch die Einführung von Farbe, durch den Multifinder, der mehrere Applikationen zu gleichen Zeit verarbeitet und durch die Einbindung von Programm-Fenstern, die an den Programm-Manager von Windows 3.0 angelehnt sind.
Überlappende Fenster und Icons sind noch immer die Hauptmerkmale, auf die Apple ein Copyright geltend macht. Die Pull-Down-Fenster, die nur sichtbar bleiben, wenn sie mit der Maus festgehalten werden, sind ein Apple Merkmal, das keine andere Oberfläche übernommen hat. Windows Menüs klappen herunter, wenn sie angeklickt werden und bleiben dann geöffnet, GEM Menüs fallen bereits, wenn die Maus in die Menüleiste bewegt wird - doch auch sie bleiben geöffnet.
Der Macintosh unterstützte zwar inzwischen Farbe, doch die Oberfläche erscheint Anfang der 90-ziger auf ein buntes Apfel-Symbol noch immer schwarz und weiß. Eine Andeutung von schwarzen Schatten soll räumliche Tiefe andeuten, doch im Vergleich zur modernen Konkurrenz wirkt sie reichlich platt.
Optische Unterschiede sind es jedoch nur zum Teil, die die einzelnen Oberflächen voneinander unterscheiden. Die meisten Unterschiede kommen aber erst bei der Arbeit zum Tragen.