Computer & Technik
Grafische Oberflächen
Geschichte der grafischen Benutzer - Oberfläche - GEM die 2. Generation
GEM gab sich wie der Macintosh gerne in Schwarz-Weiß und "hnelt dem Mac auch sonst sehr stark. Das beginnt bei der Menüleiste, die in der obersten Zeile steht - Windows zeigt die Menüs erst in der zweiten Zeile, darüber steht der Programmname - das umfasst die Icons und das reicht bis zur überragenden Geschwindigkeit. GEM war aber nur in der Lage, ein Programm zur gleichen Zeit auszuführen - Multitasking oder der Wechsel zwischen Anwendungsprogrammen blieben immer nur Wünsche. Fenster sind nur innerhalb von Programmen möglich, ein einmal gestartetes Programm nimmt immer den gesamten Bildschirm ein.
Windows brachte Farbe und Multitasking ins Spiel. Windows 3 profilierte sich gegenüber den Konkurrenten vor allem durch seine Farbigkeit, durch die Fähigkeit, beliebig viele Programme gleichzeitig zu starten und durch die elegante, drei-dimensionale Oberfläche.
Gegenüber den sehr strengen Richtlinien für Macintosh-Programmierer - sowohl Apple wie auch die Macintosh Fangemeinde haben sehr klare Vorstellungen darüber, wie ein Programm für den Macintosh auszusehen hat - gibt Windows nur wenig Konventionen vor. Eine Menüleiste, ein Rahmen aussen herum, bei Bedarf noch eine Bildlaufleiste - fertig ist das Windows Programm. So ist nicht einmal Microsoft bei seinen eigenen Anwendungsprogrammen in der Lage, einheitliche Menüs durchzuhalten - einmal werden Dateien geöffnet, ein andermal geladen.
Die Menüleiste mit den Pull-Down-Menüs erweist sich in der Praxis auch nicht immer als der Weisheit letzter Schluss - weshalb viele Hersteller eigene Lösungen erfinden. Das reicht von der Button-Leiste mit festen Symbolen am oberen Bildrand über eine frei verschiebbare Toolbox bis hin zu selbst definierbaren und frei plazierbaren Einzelbuttons - von Einheitlichkeit wie beim Vorbild Macintosh kann oft keine Rede mehr sein.
Was für Windows gilt, trifft auch für OS/2 und den Presentation Manager zu: Windows 3.0 und der lange geheimnisumwitterte Presentation Manager unterscheiden sich allenfalls in Nuancen.
Eine zukunftsweisende Richtung gab dann wieder einmal Steven Jobs an. Nach seinem Ausscheiden bei Apple ging Steven Jobs sehr schnell daran, noch einmal einen Computer zu entwickeln, der die Fehler des Macintosh vermeiden und der gleichzeitig aufzeigen sollte, was heute machbar ist. Wirtschaftlich gesehen ist der Wunderwürfel Next zwar wenig erfolgreich, doch was seine grafische Oberfläche anbelangt, setzte er Maßstäbe.
Das Geheimnis von NextStep, der Oberfläche des Next, die IBM später für sehr viel Geld lizensiert hat, heißt "Display PostScript". Die Anzeige erfolgt im Grafikmodus am Bildschirm und die Fonts werden bei der Anzeige berechnet. Dadurch ist erstens weitgehende WYSIWYG-Darstellung am Bildschirm möglich, zum zweiten ist stufenloses Zoomen kein Problem. Der Macintosh, GEM und Windows arbeiten überwiegend mit festen Fonts und sind in der Bildschirmdarstellung nicht so flexibel.
Der Next verfügt darüberhinaus standardmäßig über eine höhere Auflösung, was sich in einer besseren Gestaltung der Oberfläche niederschlägt - Programme sind in der Regel feiner gestaltet als auf dem Macintosh und dem PC. Eine Neuerung sind die Pick-Up-Menüs. Bedingt durch einen standardmäßig größeren Monitor ist es möglich, den Bildschirm großzügiger zu gestalten. So ist eine komplette DIN A4 Seite darstellbar und das auf weniger als der Hälfte des Bildschirms. Die Menüs müssen deshalb nicht mehr verschämt nach der Benutzung verschwinden, sondern können offen am Bildschirm stehen bleiben - und sie lassen sich wie Fenster beliebig auf dem Bildschirm plazieren. Eine Nadel, wie sie von Pin-Wänden her bekannt ist, pickt das Fenster auf dem Bildschirm fest - selbstverständlich nur als grafisches Symbol.
GeoWorks Ensemble arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie der Next und verwendet ebenfalls eine Display-PostScript nachempfundene Anzeigetechnik. Das Ergebnis ist ein sehr schneller Bildschirmaufbau und weitgehendes WYSIWYG. Allerdings ist bislang noch kein Entwicklungssystem für GeoWorks auf dem PC verfügbar, Anwendungen entstehen auf der VAX und werden anschließend auf den PC portiert.
Natürlich gibt es inzwischen noch eine ganze Reihe weiterer grafischer Benutzeroberflächen, aber nicht im Bereich der Personal Computer. Home-Computer, Workstations und Mini-Rechner arbeiten in der Regel mit eigenen Oberflächen. Auch in der Unix Welt sind die Entwickler aktiv: Motif, Open Look, Next Step, X.11, X Windows System, Open Look und Open Desktop beweisen, dass hier noch immer jeder gern sein Süppchen selbst kocht. Eine Einigung ist nicht in Sicht, als Favoriten gelten jedoch Motif, Open Look und Next Step.
Der Gewinner bei diesem über Jahre andauernden Wettrennen ist inzwischen unumstrittener Marktführer: Microsoft Windows. Das System braucht sich nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken und darf als die führende grafische Benutzeroberfläche angesehen werden. Zumindest auf dem Makrt der Personalcomputer und der immer aktraktiveren Note- und Netbooks ist Windows Platzhirsch Nummer 1. Eine Konkurrenz ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht - und das obwohl Windows nie wirklich an der kreativen Front tätig war.