Computer & Technik

Standard-Software

Generationswechsel MS-C 6.0

Der langerwartete C-Compiler 6.0 von Microsoft ist da. Au­gen­fäl­lig­ste Neuerung ist die fenster­orientierte Entwicklungsumge­bung, die Pro­grammer's Workbench.

Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis Microsoft eine neue Version des C-Com­pilers vorstellte. Doch das Warten hat sich gelohnt. Eine erheb­lich verbesserte Codeopti­mierung, Inline-As­sembler-Sta­tements und stark überarbeitete Tools wie NMAKE und CodeView 3.0 sind nur einige der wichtigsten Merk­male des neuen Compilers.

Wer die neue Version 6.0 instal­lieren möchte, benötigt min­destens 5 MByte freie Festplat­tenkapazität, besser sogar noch 8 MByte, ein 1,2 MByte-Floppy-Lauf­werk (360 KByte-Disketten sind nur auf An­frage erhältlich) - und ein gutes Viertel­stündchen Zeit. Denn solange dau­ert es, wenn man mit dem Setup-Programm gleich alle benötigten kombinierten Li­braries erstellt. Dafür verläuft die Installation unproblematisch, wie bei Microsoft üblich.

Die wohl auffälligste Neuerung betrifft die fensterorientierte Entwicklungsumgebung, Pro­grammer's Workbench oder kurz PWB genannt. Vorbei sind die Zeiten wo MS-C-User neidvoll nach Turbo-C schielten. Die interaktive Ar­beitsoberfläche von MS-C 6.0 ist nicht nur bes­ser, sie kann auch nach Be­lieben erweitert wer­den. Denn die Workbench ist ein offe­nes System. So können beispiels­weise alle Standard-Parameter wie Farben und Tastenzuordnungen ge­ändert werden. Es lassen sich aber auch neue Funktionen über interne Makros hinzufügen.

Sämtliche Parameter und Funktio­nen der Workbench werden inner­halb der Workbench über das Op­tions-Menü eingestellt oder hin­zugefügt. Nach Anwahl der Option "Editor Settings" erscheint die Kon­figurationsdatei der Work­bench, in der alle aktuellen Pa­rameter aufgeführt sind. Neben den bereits erwähnten Standard-Parametern werden hier auch Ma­kros und externe Zusatzfunktionen der Work­bench definiert und in den Dateien TOOLS.INI und CURRENT.STS abgelegt. Diese Da­teien werden bei der Installation bzw. dem ersten Aufruf der Work­bench angelegt.

Für die Definition von Makros und Zusatzfunktionen steht eine ein­fache Makrosprache zur Verfügung, deren Handhabung sehr leicht zu erlernen und im Handbuch recht gut beschrieben ist. Interessant ist, daß die Makros und Einstel­lungen in TOOLS.INI nicht nur für den Compiler und die Workbench, son­dern auch für die übrigen Tools, wie zum Beispiel NMAKE.EXE, gül­tig sind. Dazu kann TOOLS.INI in Abschnitte unterteilt werden, wo­bei jeder Abschnitt für jeweils ein Tool zuständig ist. Bei der Akti­vierung des betref­fenden Tools werden alle Einträge innerhalb des zuständigen Abschnitts gelesen und umgesetzt.

Die Workbench läßt sich auf diese Weise um jede erdenkliche Funk­tion erweiteren. Dazu stehen über dreißig Funktionen zur Verfügung, die bei Bedarf um Funktionen der Laufzeitbibliothek (wenn auch mit Einschränkungen) erweitert werden können.

Die Laufzeitbibliothek selbst ist ebenfalls verbessert worden. Ne­ben kleinerer kosmetischer Ände­rungen, die im wesentlichen durch den endlich fertiggestellten ANSI-Standard bedingt sind, wurde das Grafiksystem um einen Library für Businessgrafi­ken erweitert. Von Balken- über Torten- und Linien- bis Punkt­diagrammen bietet das Modul so ziemlich alles was das Program­miererherz höher schlagen läßt. Der Einsatz dieser Funktionen ist dabei denkbar einfach. Für jeden Diagrammtyp existiert eine Ana­lyze-Funktion, die eine interne Chart-Environment-Struktur mit glo­balen Eckdaten versorgt, die dann beim Aufruf der eigentlichen Grafikfunktion als Zeiger auf die Struktur mit übergeben werden müssen.

Neu sind auch die Zeichensätze mit der Extension .FON. Wer mit WINDOWS arbeitet, kennt bereits deren Namen, denn es sind die gleichen Fonts, die jetzt auch für normale C-Programme zur Ver­fügung stehen.





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